Der Generationenvertrag in Bremen

17. Juli 2009

Seit gestern abend weiss ich nun, wie die Bremer Variante eines Generationenvertrages ausschaut. Die Jugendlichen hauen sich den Alkohol in den Kopf und die Alten sammeln anschließend die Pfandflaschen ein um die Rente aufzubessern..


Bombenstimmung

29. Juni 2009

Wer nun meint, daß Leben eines Staatsbediensteten sei zwar sicher, was das monatliche Salär angeht hat durchaus (noch) recht ;-)…wer aber zusätzlich die Ansicht vertritt so ein Leben sei öde und fad, der irrt…

So denn heute, als es einen mittleren Zwergenaufstand vor der Eingangstür gab. Unsere Wachleute, die erkennbar afrikanischer Herkunft sind, diskutierten also lauthals mit 3 aufgebrachten Kontinentsmitbewohnern. Ein Wagen mit 2 Polizisten rollte auch an, die Kollegen entschwanden ins Gebäude…Ein paar Leute aus der Wartezone zogen es spontan vor wegen einer „Bombendrohung“ das schöne Wetter draussen zu geniessen..Naja, halt mal wieder ein bisschen Action-Chaos..

Ergebnis: Keine Bombe…und der Hintergrund der lauten Diskussion…Vor ein paar Tagen gab es in einem anderen Stadteil eine etwas heftige Auseinandersetzung zwischen Leuten aus dem arabischen Raum und afrikanischen Landsleuten..angeblich wurden auch kugelverschiessende Meinungsverstärker eingesetzt..jedenfalls hatte einer der Diskutanten bei der Geschichte was „abbekommen“, musste ins Krankenhaus deswegen…und justament – er hat heute eigene Dinge bei uns zu erledigen und trifft doch in der Wartezone auf eine Dame aus der nahöstlichen Fraktion, die er gleich erkannte und daraufhin „not amused“ war..

Tja, was soll man sagen…Im SGB II finden sich Freund und Feind gleichwohl wieder…

Ich habe daraufhin gleich mal überlegt ob man den „Fragebogen Einkommen (EK)“ nicht um einen Passus „Gewinn aus dem Verkauf von rauchbaren Kräutern/Pflanzen“ ergänzen sollte. Aber ich denke nicht, daß so ein Vorschlag irgendwo Gehör finden wird…


Und ab geht die Party….

27. Juni 2009

Kaum verabschiedet, schon geht es munter weiter..Behörden und Hochschulen sind auch zum Umsetzen der Netzsperre verpflichtet.. Ok – Behörden kann ich noch nachvollziehen :-)…aber die Stätten der Wissenschaft und des freien Denkens auch?

http://cert.uni-stuttgart.de/ticker/article-bare.php?mid=1543#beschluss


26. Juni 2009

So – auch heute noch einmal ein bisschen Schulung, damit ab dem 17.8.09 die „Partnerschafts“börse der BA so richtig vernünftig läuft.  Es kommt—tää tääääää— eine neue Programmversion von VERBIS, dem Hammerprogramm für Vermittler und die, die es gerne sein wollen oder sogar sind(ursprünglich hiess das mal „Virtueller Arbeitsmarkt“, wurde aber nach diversen Beanstandungen und Rüffeln des Bundesrechungshofes kurzerhand umbenannt). Kleiner Tip: Ruhig mal etwas googeln nach den „virtuellen Arbeitsmarkt..das war spannend…

Die bahnbrechende Neuerung lautet nun „4PM“..das ist das revolutionäre unter der VERBIS-Haube. Ich hab noch nicht wirklich verstanden wofür VERBIS genau stehen soll..Am wahrscheinlichsten erscheint mir das als Abkürzung für „Versuch einer richtig bahnbrechenden Integrationsstrategie“. Denn von Strategien sind wir inzwischen umzingelt. Und 4PM ist nichts anderes als der englische Ausdruck für 16 Uhr..das ist so die allgemeine Feierabendzeit..Ahaaaa…Also nach dem 17.8. werde ich bis 16 Uhr sitzen um bahnbrechende Strategien umzusetzen. Jetzt wird es für mich endlich transparent (was ja auch durchsichtig bedeutet).

Kunden in eine den Lebensunterhalt sichernde Arbeit zu bringen ist derzeit wirklich schwierig. Also konzentrieren wir uns doch lieber einmal darauf, wie wir mit vielen neuen Klickknöpfen und Buttons und Menüs quasi ein elektronisches Abbild des Kunden mit Stärken und Problemen erzeugen um dann strategisch aus einem Konstrukt der Chefstrategen in Nürnberg die passende Strategie zu finden um diese dann „passgenau“ zu verfolgen..

Natürlich ist es nur Dokumentation, sozusagen qualitätssteigernd. Wer meint, daß ja mal theoretischerweise irgendwer kommen könnte und sich denkt, daß man zB bei Wohnungslosigkeit gar nicht „arbeitslos“ sein kann, weil man ja dem Arbeitsmarkt eigentlich gar nicht zur Verfügung steht der glaubt auch an die Illuminaten. Nein – hier wird künftig nur konsequent dokumentiert. Und das ist auch mein gutes Recht das zu dürfen, denn ich muss amtsangemessen bezahlt werden. Ich sitz ja nicht da um mit den Kunden gemeinsam etwas zu erreichen, ihm zuzuhören, seine Probleme zu berücksichtigen um so gemeinsam einen Weg zu erarbeiten. Das kann ja jeder.

Wichtig ist das Gesrpäch kurz und knackig zu führen, sagen wir mal so 15 Minuten im Erstgespräch um dann 1 Stunde strategisch zu klicken bis ich die passende Vorgabestrategie entworfen habe. Kann ja sein, das beim nächsten Mal sich was in der persönlichen Situation etwas verändert hat…Kein Problem..Dann wird wieder neu geklickert..

Arbeitslosigkeit ist eben keine Frage des einfachen Denkens sondern ein höchst komplizierter Begriff der erst durch eine ausgeklügelte Strategie an Kontur gewinnt.

Ich empfehle 2 grosse Strategien:

a) Richtet ein Call-Center ein, qualifiziert ein paar Call-Center-Agents für das Geklicker und macht eine Arbeitslosen-Hotline auf. Die Agents klickern dann Standardfragen durch um dann mehr oder weniger intelligente Antworten parat zu haben. Das funktioniert schon ziemlich gut bei privaten Dienstleistern. Da hat man dann auch gleich schon viele neue Jobs und Qualifizierungsangebote

b) Stellt künftig für die Vermittlung hochqualifizierte „Counterstriker“ ein, die sind an Klickgeschwindigkeit sicher kaum zu schlagen und sorgen für einen hohen Durchsatz an Daten

Schade….es ist 4PM…Zeit für strategisches Wochenende


Die Wahrheit ist….

26. Juni 2009

dass ich mich schon manchmal frage, was genau „schief“ läuft im Lande..Wenn ich den Verantwortlichen erwische setzt es was…

Einer meiner „besseren“ Kunden, schulisch ausgebildeter Konstruktionsmechaniker mit Migrationshintergrund kommt zum Temin. Bewirbt sich wie wild…keiner will ihn..dabei hat er sogar einen Führerschein (wichtig für die berühmte „Flexibilität) und kann darüber hinaus Stapelgabler fahren…

Vor einem Jahr wäre der locker bei jeder Zeitarbeitsfirm genommen worden…tja, da war die Welt des SGB II noch in Ordnung.

Doch entpuppt sich mein Kunde als latent weltfremd. Im Gespräch fragt er mich, ob er nicht auch auf einer Bohrinsel arbeiten könne. Meiner Meinung nach im Prinzip schon…als schulisch ausgebildeter Konstruktionsmechaniker mit Führerschein und Gabelstaplerfahrpraxis sicherlich ein Spitzenkandidat.

Die Frage nach den Englischkenntnissen wird selbsbewusst bejaht…Ok – so weit so gut. Auch mein Hinweis auf die harte Arbeit und den Arbeitsbedingungen schreckt ihn nicht. Sein „Kumpel“ habe ihm gesagt, da würde man „Richtig gut Geld“ verdienen..Dem kann ich zustimmen. Er strahlt….

Dann frage ich ihn, ob er seine Höhenangst in nur 4 Wochen verloren habe, denn die hat er. Die Frage irritiert ihn sichtlich. Ich bohre nach…immerhin geht ja um Arbeit auf einer Bohrinsel, da muss er also durch…

Ob er sich denn mal, abgesehen von dem hochwertigen Tip des „Kumpels“ überhaupt einmal näher informiert hat. Das verneint er mit gutem Gewissen…Nun – Zeit für die Wahrheit..

Ich schnappe mir also Wikipedia um es ihm leichter verdeutlichen zu können.

Die größte jemals gebaute Förderplattform ist die norwegische Sea Troll der Erdölgesellschaft Statoil mit einer Million Tonnen Wasserverdrängung. Sie misst vom Sockelboden bis zur Spitze des Gasfackelmastes 472 m Höhe und steht auf dem Meeresboden in 303 Meter Meerestiefe. Im Vergleich zum Eiffelturm von Paris, würde die Sea Troll den Eiffelturm um 148 Meter übertreffen (Quelle: wikipedia.de.)

Schade…er verliert spontan den Wunsch nach dem vielen Geld was man auf einer Bohrinsel verdient.. und ich glaube, das ist auch besser so…


Neues aus meiner Anstalt

25. Juni 2009

Es gibt Dinge, die ich beim besten Willen nicht begreifen kann. Es mag an meiner vielleicht beschränkten Auffassungsgabe liegen aber der heutige Tag führte nur noch zum Kopfschütteln.

Es wird durch die Bundesagentur demnächst etwas umwerfend „Neues“ eingeführt. Das „4-Phasen-Modell“.. Irgendwie erinnert es an eine Werbung in der „2 Phasen Reinigung“ zu einem strahlenden Gebiss führen soll. Möglicherweise soll also das Gebiss der Agentur durch eine Verdoppelung der Reinigungsphase noch strahlender werden.. Nun ist ja ein Gebiss nicht natürlicher, sondern mehr künstlicher Natur. Das drängt den Verdacht auf, daß im SGB II künftig künstliche Zahlen noch leuchtender präsentiert werden sollen.

Nun bin ich ein durchaus positiv denkender Mensch und verweigere mich auch nicht sinnvollen Neuerungen die geeignet sind meinen beruflichen Alltag zu erleichtern. Aber schon während der ersten Minuten der Schulung schüttelten mich innere Lachkrämpfe. Demnächst werden wir also aufgrund von Beanstandungen vom Bunedsrechnungshof noch mehr dokumentieren müssen. Welche Stärken jemand hat, welche Probleme er hat und daraus werden „Strategien“ entwickelt.. Klingt erst einmal gut, aber…im SGB II gilt eine generelle Regel. Hilfebedürftigkeit ist möglichst aus eigener Kraft zu beseitigen (Arbeitsaufnahme), dabei ist jede zumutbare Arbeit anzunehmen..

Anders als bei der Agentur gilt also beim Bezug von Grundsicherung, daß es NICHT auf den gelernten Beruf ankommt, sondern daß ein hilfebedürftiger Mensch auch andere Tätigkeiten durchaus ausüben muss um weniger oder keine staatliche Unterstützung erhalten zu müssen und persönliche Qualifikationen dabei sekundär sind.

Natürlich gibt es Menschen ohne berufliche Hintergründe, die zunächst einmal „aufgebaut“ werden müssen. Aber was bitte soll ich mit einem Menschen machen, der durchaus „arbeiten“ und damit in jeder Tätigkeit zunächst was machen könnte um keine staatliche Leistung mehr beanspruchen zu müssen? Ich führe ein zeitintensives Gespräch um eine „Strategie“ zu dokumentieren als Ausdruck der „Kooperation“ mit dem Kunden um dann anschließend einen 1€-Job anzubieten? Oder ist tatsächlich beabsichtigt, in Abhängigkeit vom Gespächsergebniss, Qualifizierungen anzubieten um Menschen „attraktiver“ für Arbeitgeber zu machen? Das wäre sinnvoll, widerspricht aber möglicherweise dem SGB II….

Warum wird das „4-Phasen-Modell“ nicht dort umgesetzt, wo es Sinn macht?…Im SGB III, bei der Agentur…für alle, die noch eine Chance hätten, nicht in „Hartz IV“ zu fallen…achja, geht ja nicht….dort wird ja nur noch für diejenigen was gemacht, die „echtes“ Arbeitslosengeld bekommen.was zur Sicherung des Lebensunterhaltes ausreichend ist..

Tja, das werden auch immer weniger…und so werden die ARGEN wohl diejenigen sein, die künftig überwiegend den Job der Agentur machen und die Vermittler zwar wie wild dokumentieren, aber letztlich aufgrund der Regelungen des SGB II auf jedweder Arbeitsaufnahme pochen…

Wenn mir jemand irgendwie einen Sinn erklären kann, nur zu….

Achja…meine Kunden aus dem Bereich U25 sind noch nicht wirklich im „4-Phasen-Modell“ berücksichtigt, soll aber bis Ende des Jahres noch kommen….irgendwie…

Das wird sicher noch eine spannende Reise und ich freue mich schon auf zeitintensive Gespräche für „warme Luft und Krümel“..


Erfolge..

23. Juni 2009

Nun ist es ja nicht so, daß nicht auch gelegentlich Dinge geschehen, die mir den Glauben an den Sinn meiner Arbeit erneuern. So taucht heute einer meiner besten Kunden spontan mit Tochter bei mir auf um mich mich mit der „Nachricht des Tages“ zu überraschen.
Er hat die Aufnahmeprüfung für die „Erwachsenenschule“ relativ locker gemeistert. Jetzt ist er also demnächst wieder mit BaFöG-Anspruch im Bildungssystem um das, was er wirklich leisten kann, in einen höheren Bildungsabschluss umzusetzen. Er hat sich bisher deutlich „unter Wert“ verkauft, sich im Werdegang selber etwas ins Abseits manövriert..und es hat gedauert, ehe der „Funke“ gezündet hat. Viele Gesprächsterminem waren nötig, aber es ist auch nicht immer leicht, seine persönlichen Dinge wie Familie und den staatlichen Anspruch auf eigenständige Sicherung des Lebensunterhaltes sicherzustellen. Aber ich bin mir sicher, das er jetzt seinen Weg machen wird. Dickköpfig genug dafür ist er🙂 .. Schade, das er eine Ausnahme der Regel ist, der Job würde mich weniger Haare kosten.


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